Im Rücken des Sternbildes Löwe

Ich bin nicht ganz sicher, ob ich es euch schon erzählt habe 🙂

Ich war gestern Nacht draußen. Gestern Nacht? Eigentlich war es gesten Früh. Oder wie würdet ihr die Zeit zwischen kurz nach Mitternacht und halbvier bezeichnen?

Ich hatte geplant, mir eine interessante Galaxien-Konstellation am Hinterhuf des Löwen etwas genauer anzusehen. Na ja, um ehrlich zu sein, abgesehen davon, daß der Löwe gar keine Hufe hat, ging einiges dabei schief…

Da war dieses eigenartige Brummen am Hauseck gewesen, das so drohend wirkte, daß ich es erst am Tag untersuchen wollte.

Und da war meine neue Reisemontierung.

Hmm, was heißt schon neu, wenn man von Astronomie redet? Die Montierung, eine Star Adventurer von Skywatcher lag schon länger als ein halbes Jahr im Schrank. Zu mehr, als die Batterien rein und wieder raus zu tun, war ich bis dahin noch nicht gekommen.

Nun hatte ich das Teil auf´s Fotostativ geschraubt und grob auf Polaris ausgerichtet. Ein anständiges Polar-Alignement war nicht möglich, da das Haus den Polarstern verdeckte. Zum Experimentieren würde es schon reichen.

Die ersten Bilder zeigten nur extrem lange Strichspuren der Sterne. Das ging ja ohne die automatische Nachführung besser! Ein Blick mit der Taschenlampe zeigte meinen Fehler. Ich hatte die Montierung fasch herum aufgestellt. Sie zeigte nicht auf den Polarstern, sondern genau in die entgegengesetzte Richtung. Nun ja, das lies sich korrigieren.

Ich hatte meine EOS 6D, versehen mit dem 100mm Makro-Objektiv, auf die Montierung gespannt. Mehr Brennweite wollte ich nicht. Ich mußte ja erst den Umgang mit der Star-Adventurer erlernen.

Am Horizont war gerade Jupiter erschienen. „Prima“, dachte ich bei mir. „Super für das Fokussieren“ Gesagt, getan! Der Fokus stimmte und der Löwe war schön am Himmel zu sehen. Ich richtete die Kamera auf mein Ziel aus und berührte dabei unvorsichtig den Fokusring des Objektivs. Würde schon klappen…

Die leichte Berührung des Fokusrings war doch wohl etwas stärker gewesen, als ich gedacht hatte. Ich bemerkte das am nächsten Morgen beim Auswerten der Bilder. Der Fokus lag knapp daneben. Und die nur grobe Einnordung der Montierung konnte die Erddrehung auch nicht komplett ausgleichen. So ganz rund waren sie nicht geworden, die Sterne.

Und was waren das überhaupt für Sterne? Wo waren die Hinterhufe des Löwen?

Tja, ganz rechts im Bild konnte ich die Schwanzspitze des Raubtiers identifizieren. Denebola heißt die kleine Laterne, die man dem Löwen dort hingebunden hatte. Ich hatte wohl dezent daneben gezielt…

Was aber waren das nun für Sterne auf den Fotos?

Hinter dem Löwen lagen die Sternbilder Jungfrau und Haar der Berenike. Dann konnte das doch eigentlich nur der Virgo-Galaxienhaufen sein. „Kann ich mit leben“, dachte ich mir…

Für die ersten Aufnahmen hatte ich folgende Kameraeinstellungen verwendet:

Zeit 30s
Blende f/2,8
Iso 1600

Die Bilder waren nur hell.

Also reduzierte ich für die nächsten Versuche den ISO-Wert auf 400. Und siehe da, es war dunkler Himmel zu sehen. Ich programmierte den Intervalometer der Kamera (ja, sowas hat die 6D, dank MagicLantern) und startete die Session.

Es wurden 33 Lights, 4 Darks und 10 Flats. Die Bildbearbeitung erfolgte am nächsten morgen:

Stapelung und Dunkelbildabzug machte ich mit DSS (funktioniert dank wine auch in Linux). Auch die Flats lies ich von DSS mit verarbeiten.
In fitswork erfolgte dann eine zusätzliche Ebnung des Hintergrundes und eine Verkleinerung der Sternradien. Danach war darktable an Zuge: Weißabgleich, Anpassung der Farbkurve, Wavelet-Schärfung, Dezente Rauschunterdrückung.
Die Beschriftung erledigte ich danach mit GIMP.

Hier das erste Ergebnis der Bearbeitung:

virgo-cluster_entwurf

Ich hab zur Orientierung ein paar Sterne benannt. Der Rest, also die Beschriftung der Galaxien, erfolgt demnächst.

Aprobos Galaxien: Wenn ihr ein oder zweimal ins Bild klickt, erhaltet ihr die volle Auflösung und könnt einige dieser Galaxien erahnen.

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