Der Morgenstern

Wenn ihr meinen Tip auf das Sternbild Orion gelesen habt, erinnert ihr euch vielleicht daran, daß bei mir zu Hause die Terrassentür in Richtung Südosten zeigt. Als ich heute früh um 6 Uhr aufstand, strahlte mich durch eben diese Terrassentür ein außerordentlich heller Stern an. Ich rieb mir den Schlaf aus den Augen und überlegte, daß dieser Stern gar kein Stern sein konnte. Und so war es auch. Was mich da so strahlend begrüßte, war unser Nachbarplanet. Es war die Venus.

Es dachte bei mir, daß es interessant sein würde, herauszufinden, wie lange ich die Venus würde sehen können. Würde sie mit der Dämmerung unsichtbar werden? So ist die folgende Chronik entstanden:

6:00 Uhr
Draußen ist es noch dunkel. Im Osten ist die Dämmerung zu erahnen. Die Venus strahlt hell, heller noch die internationale Raumstation ISS in ihren besten Zeiten. Spica, der Hauptstern des Sternbildes Jungfrau ist nur Eineinhalb Grad von dem Planeten entfernt.
Helligkeit: -4,8 mag, Scheinbare Euntfernung zur Sonne etwas mehr als 30°, Richtung grob Südosten.
Höhe über dem Horizont: 11°

7:00 Uhr
Dämmerung! Der Himmel ist hell geworden und die meisten Sterne sind verschwunden. Die Venus ist deutlich erkennbar.
Höhe: 18°.

7:30 Uhr
Die Sonne schickt sich an, aufzugehen. Nun ist auch der der helle Stern Arktur nicht mehr zu sehen. Die Venus dagegen ist noch leicht auszumachen.
Höhe: 22°

7:45 Uhr
Die Wände der Nachbarhäuser werden von der Sonne mehr und mehr beleuchtet. Meine Terrasse liegt noch im Schatten. Die Venus ist nicht mehr ganz so leicht zu erkennen. Man muß schon wissen, wo man suchen soll. Ich hab mir einen Farbspritzer auf der Glasscheibe der Tür gemerkt. So finde ich die Venus noch leicht.

8:00 Uhr
Nun wird es langsam schwierig, den Planet zu erkennen. Mein Farbfleck hilft mir dabei. Die Terrasse liegt nun teilweise in der Sonne.
Höhe: 24°

8:15 Uhr
Noch steh ich an meinem Beobachtungsort im Wohnzimmer auf der Seite der Terrassentür im Schatten. Dennoch finde ich die Venus nicht mehr. Ich packe mein Fernglas aus. Damit erkenne ich den Planeten als wunderbare Sichel (analog zum Mond würde ich das aufgehende Venus nennen). Die Venus ist zu etwa 15% beleuchtet, die Sichel ist also ziemlich schmal. Durch das Fernglas erscheint sie aber breiter, als sie tatsächlich ist.

8:30 Uhr
Nun scheint die Sonne voll in Wohnzimmer rein und beginnt, den Raum mit ihren Strahlen zu erwärmen. Bei der Venus geht ohne Fernglas gar nichts mehr. Im Fernglas aber ist sie aber einfach zu finden, meinem Farbfleck sei Dank.
Höhe 27°.

9:00 Uhr
Ich bin raus gegangen, auf die andere Seite des Hauses. Mein Teleskopierplatz oben neben dem Kakteenhügel liegt noch im Schatten. Keine Gefahr also, daß ich mit dem Fernglas versehentlich in die Sonne schaue. Ich lege das Sitzkissen auf den Stuhl oben am Hügel und mache es mir bequem. Es würde wohl eine Zeitlang dauern, den Planeten zu entdecken ohne die Hilfe vom Farbfleck. Ich war überrascht, daß die Venus sofort entdeckte. Eine schöne kleine Sichel, vergrößert mit dem 7×50 Fernglas. Mit den bloßen Auge: keine Chance mehr.
Höhe: 29°

11:00 Uhr
So gegen 10 Uhr erreicht die Venus im Süden mit einer Höhe von 30° den höchsten Punkt auf ihrer Wanderung über den Himmel. Um 11 Uhr geh ich wieder raus. Der Teleskopierplatz ist nun voll von der Sonne beschienen. So wechsle ich hinter die Garage in den Schatten. Kein Problem, die Venus zu finden.

12:00 Uhr
High noon! Nun steht die Sonne im Süden. Die Venus ist verschwunden. Ich weiß ungefähr, wo sie sein müßte, finde sie aber nicht mehr.

12:30 Uhr
Ich schaue in Stellarium nach, wo genau die Venus ist. Richtung Südwesten, Höhe wie die der Sonne. Das sollte doch machbar sein.

13:00 Uhr
Ich finde den Planeten einfach nicht. Also, Kompass ausgepackt und nochmal geschaut. Und tatsächlich, da ist er, unser Morgenstern. Schwierig zu sehen, da inzwischen der Kontrast zur Umgebung fehlt.

13:30 Uhr
Ich suche lange, bis ich die Venus noch einmal entdecke. Als ich den Blick kurz abwende, verabschiedet sich der Planet. Ich finde ihn nicht mehr. Knapp 15° über dem Horizont macht mir die Atmosphäre einen Strich durch die Rechnung

Feierabend!

Ich hätte nie gedacht, daß ich die Venus, wenn auch mit einem Fernglas, am Taghimmel sehen kann. Eine neue Erfahrung … 🙂

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