Meine kleine Weihnachtsgeschichte

Man schrieb das Jahr 1981.

Es war das Jahr, in dem zum ersten Mal ein Space Shuttle in den Weltraum flog. Columbia hieß die Raumfähre, jene Columbia, die 2003 beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre auseinander brach und sieben Astronauten mit in den Tod nahm.
Es war das Jahr, als Papst Johannes Paul II bei einem Attentat schwer verletzt wurde.
Es war das Jahr, in dem Sadat, der damalige Präsident von Ägypten ermordet wurde.
Und es war das Jahr, in dem Ronald Reagan amerikanischer Präsident wurde.

Wir waren ein Messtrupp, der in Libyen, mitten in der Sahara, seismologische Bodenuntersuchungen durchführte. Ziel der Messungen war es, neue Erdölvorkommen zu erkunden bzw. bekannte Ölfelder genauer zu bestimmen. Es war eine unsichere Zeit damals. Libyen und die USA befanden sich auf Konfrontationskurs. Im Süden intervenierten die Libyschen Truppen im Tschad und im Norden, kam es zu Zwischenfällen mit den USA.

Es war August.

Die Große Syrte, jene Meeresbucht zwischen Tripolis und Bengasi, wurde vom Libyschen Präsidenten Gaddafi als Hoheitsgebiet beansprucht. Und gerade in dieser Großen Syrte führten die USA Manöver durch. Es kam zu Kampfhandlungen, bei denen die Amerikaner zwei Libysche Flugzeuge abschossen. In den folgenden Monaten nahmen die Spannungen zwischen Libyen und den USA immer mehr zu. Am 11. Dezember forderte Washington die in Libyen weilenden Amerikaner auf, das Land so schnell wie möglich zu verlassen.

An Weihnachten bot sich mir die Gelegenheit, das Land ebenfalls zu verlassen. Ich war an der Reihe, meinen einmonatigen Heimaturlaub antreten. Also: Habseligkeiten zusammenpacken, ab ins Camp-Flugzeug (Wir lebten in dere Sahara in einem Zeltcamp), Flug nach Bengasi (oder war es Tripolis, ich weiß es nicht mehr), ewige Zollformalitäten, Umstieg in eine Linienmaschine nach Deutschland.

So kam ich am 24. Dezember des Jahres 1981 am Flughafen in Nürnberg an und versuchte nach Hause zu kommen. Es waren ja nur noch 40 Kilometer, 40 lange Kilometer…

In Nürnberg war ein Taxifahrer getötet worden, hieß es, und die Taxikollegen streikten aus diesem Anlaß. Kein Taxi am Flughafen, kein Bus zu entdecken und zu Hause erreichte ich niemanden. Mein Koffer war nicht allzu schwer und würde mich kaum behindern. So beschloß ich, zu Fuß zum Hauptbahnhof zu gehen. Ich marschierte los durch das Winterwunderland der Großstadt.

Niemand war mehr unterwegs in dieser Heiligen Nacht. Keine Autos waren zu hören. Nur die Sirene eines Polizeiwagens hallte in den Straßen. Da hinten versuchte sich ein Obdachloser über einem Kellerschacht zu wärmen. Er beachtete mich nicht. Ich blickte mich um und sah meine Spurem in dem frisch gefallenen tiefen Schnee. In den Fenstern der Hochhäuser glitzerten die Christbäume. Und hinter diesen Fenstern beschenkten sich die Menschen. Es mußte kuschelig warm sein hinter den Fenstern.

Mir war trotz des Fußmarsches kalt. Dennoch fühlte ich eine weihnachtliche Stimmung in mir aufsteigen. Die Anspannung der letzten harten Arbeitsmonate in der Sahara war von mir abgefallen. Ich fühlte mich wohl. Nach knapp zwei Stunden erreichte ich den Bahnhof. Ein Zug würde mich um diese Zeit nicht mehr bis nach Hause bringen. Vielleicht sollte ich auf einer Bank im Bahnhofsgebäude übernachten, das wäre schließlich nicht das erste Mal…

Es mutete mich fast wie ein Wunder an, als ich ein Taxi entdeckte!

Der Fahrer schaute mich zweifelnd an, als ich ihm mein Ziel nannte. „Kannst du die Fahrt überhaupt bezahlen?“, fragte er mich.
Ich konnte ihm die Frage nicht verübeln, denn ich sah nicht sehr vertrauenserweckend aus: Lange Haare, Bart, schmutziger Bundeswehrparka, an dem noch der Staub der Sahara klebte…
„Fahr mich nach Hause“, sagte ich, „du bekommst dein Geld schon. Und außerdem ist mir ist kalt“

Es war der Heilige Abend. Ein paar Minuten vor Mitternacht erreichte ich mein Ziel. Ich war zu Hause!
Dieser nächtliche Weg am heiligen Abend durch Nürnberg hat sich in mein Gedächtnis eingebrannt. Und aus den Eindrücken dieser Wanderung entstand dann irgendwann meine kleine Weihnachtsgeschichte. Diese Geschichte will ich euch nun zeigen und erzählen.

Fröhliche Weihnachten an euch alle und seid nett zueinander.

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