Neues von der Sternwarte: libindi – Die Treiber

Linux-Kubuntu

Vom Fernglas zum Teleskop

Im letzten Blogartikel habe ich mit Stellarium ein Programm vorgestellt, das uns virtuelle „Spaziergänge“ am Sternenhimmel ermöglicht. Sollten wir nun auf den Geschmack gekommen sein und wollen Sterne und Planeten auch in der Realität beobachten, so ist ein Fernglas ein hervorragendes Instrument dafür.

Mit Hilfe eines solchen Fernglases sehen wir mehr vom Sternenhimmel als nur mit bloßem Auge. Für solche Beobachtungen ist eine Gartenliege und eine ruhige Hand von Vorteil. Die Vergrößerung eines Fernglases ist in der Regel nicht besonders hoch (Meins vergrößert 8fach). Aber so, wie die Sterne näher kommen, wird auch das vielleicht unmerkliche Zittern der Hand verstärkt, die das Glas führt.

Möchten wir nun tiefer in den Nachthimmel eintauchen, vielleicht um die Ringe des Saturn genauer zu betrachten, ist ein Teleskop notwendig.

Bei einem Teleskop spricht man nicht mehr von Vergrößerung, sondern von Brennweite. Mit meinem Maksutov-Spiegelteleskop (MAK) zum Beispiel bekomme ich bei einer Brennweite von 1500mm den Mond formatfüllend auf den Sensor meiner Spiegelreflex-Kamera. Und so etwas läßt sich nicht mehr von Hand halten. Da benötigen wir eine stabile Montierung mit Nachführung, um hier sinnvoll beobachten bzw. fotografieren zu können.

Und damit kommen wir zum nächsten Punkt unserer Sternwarten-Ausrüstung. Wir kommen zu den Treibern für die Ausrüstung.

libindi – Die Treiber

Mit dem Projekt „libindi“ stehen uns Linux-Treiber für Montierung, Kamera, Filterrad, Motorfokus und vieles mehr zur Verfügung.

Libindi arbeitet nach dem Server-Client-Prinzip. Das heißt, libindi stellt als Server die Treiber für die astronomische Ausrüstung zur Verfügung. Die Ansteuerung erfolgt von einem Client, zum Beispiel von Stellarium. Dabei ist es egal, wo sich dieser Client, also in unserem Beispiel stellarium befindet. Er kann sich auf dem gleichen Computer befinden wie libindi. Er kann aber auch auf einem Computer am entgegengesetzten Punkt der Erdkugel sein. Die Verbindung zum Server erfolgt dann übers Internet.

Also, nochmal zu Verdeutlichung:

  • In Stellarium legen wir fest, welchen Stern wir beobachten wollen
  • Stellarium schickt einen Goto-Befehl an den Server
  • Die Treiber auf dem Server steuern das Teleskop an die gewünschte Stelle

libindi – Die Repos

libindi gibt es fertig compiliert in zwei Version:

  • stable
  • nightly

Beide Versionen sind über eigene Repositories erreichbar.

Welche der beiden Versionen verwendet wird, bleibt dem Geschmack und der Risikofreudigkeit des Nutzers überlassen. Wer es etwa sicherer haben will, wird zu den Treibern aus dem stabilen Repo greifen. Wer das Risiko nicht scheut, sich sehr eng an der aktuellen Entwicklung zu bewegen, der wird mit dem Repo für die Nightlies bestens bedient. Die Nightlies werden offiziell aber nur für Testzwecke empfohlen.

Egal, welche Version nun den Vorzug erhalten hat, man sollte zuallererst die stabile Version laden, um bei Schwierigkeiten mit den Nightlies auf die stabilen Treiber downgraden zu können. Also, Terminal öffnen und das gewünschte Repo laden:

Repo für Libindi-stable

sudo apt-add-repository ppa:mutlaqja/ppa
sudo apt-get update

Falls wir das Risiko der entwicklungsnahen Testversionen nicht scheuen

Repo für Libindi-nightly

sudo apt-add-repository ppa:mutlaqja/indinightly
sudo apt-get update

Wenn mit den Testversionen doch etwas schief gegangen ist, kommen wir so auf die stabilen Treiber zurück, natürlich nur, wenn vorher das stabile Repo geladen worden war:

sudo apt-get install ppa-purge
sudo ppa-purge ppa:mutlaqja/indinightly

Installation der Treiber

Das gewünschte Repo ist also geladen. Nun geht es zur Installation der Treiber. Auch hier bieten sich uns wieder zwei Möglichkeiten:

  • Installation aller angebotenen Treiber
  • Installation nur der benötigten Treiber

Ich empfehle, nur die nötigen Treiber zu installieren. Wenn nämlich viele Treiber drauf sind, dann kann auch viel passieren.

Meine Astroausrüstung sieht so aus:

– Zwei Teleskope (da brauch ich keine Treiber für)
– Montierung AZ-EQ6 GT (Treiber: indi-eqmod)
– Ein paar Kameras und ein Filterrad von ZWO (Treiber: indi-asi)
– DSLR Canon EOS6D und EOS 600D (Treiber: indi gphoto)
– Motorfokus für Feather-Touch (Treiber in den Basistreibern enthalten: libindi1)
– Joystick (geplant, sollte aber out of the box funtionieren)

Welche Treiber für welches Equipement notwendig sind, kann auf der Website von libindi in der Abteilung „Devices“ herausgefunden werden. Legen wir also los und installieren die Treiber für mein Equipement:

sudo apt-get install libindi1
sudo apt-get install indi-eqmod
sudo apt-get install indi-asi
sudo apt-get install indi-gphoto

Und weil es so schön war, wollen wir nun noch library für die DSLRs auf den aktuellen Stand bringen:

sudo add-apt-repository ppa:mutlaqja/libgphoto2
sudo apt-get update

Die Installation aller Treiber erreicht man über folgenen Befehl:

sudo apt-get install indi-full gsc

Die Clients

Mit der Installation der Treiber haben wir die Grundlagen gelegt, um das Equipement zum Laufen zu bekommen. Nun wollen die Bedienung des Ganzen etwas komfortabler gestalten. Dabei kommen die Clients zum Einsatz, also Programme wie stellarium oder kstars oder cartes du ciel oder…

Davon erzähle ich aber mehr in einem der kommenden Blogbeiträge

Edgar

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