Software für die Sternwarte Teil 8: astrometry.net kompilieren

Beschreibung

Astrometry.net ist eine Anwendung zum plate-solving, die sowohl online also auch offline verwendet werden kann. Ich bevorzuge aus Geschwindigkeitsgründen die offline-Version.

Was ist das nun eigentlich, das plate-solving?#

Stellen wir uns mal vor, wir haben ein Foto vom Sternenhimmel aufgenommen, haben aber keine Ahnung, was auf dem Foto tatsächlich drauf ist. Ja, Sterne sind drauf, klar, aber welche?

Nun brauchen wir über dieses Foto nur astrometry.net drüberjagen und nach kurzer Zeit wissen wir, was wir da aufgenommen haben. Wir bekommen einen Plot mit eingezeichneten Sternbildlinien und den Namen der Sternbilder und wichtiger Sterne und Galaxien.

Dieses Prinzip können wir auch für unser Teleskop anwenden, um ein hochgenaues Goto durchzuführen ohne großes star-jumping.

Wir erzählen also unserem Teleskop, welchen Teil des Nachthimmels wir sehen wollen und drücken auf „goto“. Die Montierung wird das Teleskop auf das gewünschte Objekt ausrichten, je nach Einstellung der Montierung mal genauer, mal weniger genau.

Und hier kommt astrometry.net ins Spiel.

Das Teleskop zeigt auf den gewünschten Stern, so denken wir wenigstens. Um sicher zu sein, drücken wir in unserem GUI-client, also hier in kstars auf „Aufnehmen und lösen“. Damit wird ein Foto durchs Teleskop geschossen und astrometry.net auf das Bild losgelassen. „Hoppla“, denkt die Software, „knapp daneben ist auch vorbei. Zwei Vollmond-Durchmesser am Ziel vorbeigeschossen.“

Astroetry.net schickt nun einen Korrekturwert nach kstars. Und kstars seinerseits läßt das Teleskop um diesen Korrekturwert weiterfahren.

Ein neues Bild, ein neues Auflösung, und so weiter, bis die Abweichung unter einen einstellbaren Wert gesunken ist. Damit ist die Aufnahme gelöst und das Teleskop zeigt exakt dahin, wo wir wollten“

Bitte beachten

Für das Kompilieren und Installieren empfehle ich zum Testen eine virtuelle Maschine. Warum das so ist, hab ich in diesem Artikel genauer beschrieben.

Abhängigkeiten auflösen

sudo zypper install \
libnetpbm-devel \
cairo-devel \
python-devel \
python3-devel \
python3-numpy-devel \
swig

Sourcecode herunterladen

cd ~/astrostuff &&\
git clone https://github.com/dstndstn/astrometry.net.git

Wie wir sehen, bekommen die Quelldateien ihren eigenen Ordner im Hauptverzeichnis, nämlich „astrometry.net“.

Kompilieren

cd ~/astrostuff/astrometry.net &&\
make NETPBM_INC="-I/usr/include/netpbm" NETPBM_LIB="-L/usr/lib64 -lnetpbm" &&\
make extra NETPBM_INC="-I/usr/include/netpbm" NETPBM_LIB="-L/usr/lib64 -lnetpbm" &&\
sudo make -j4 install

Sieht diesmal ein wenig komplizierter aus als bei INDI. Ich lass das einfach so stehen, ohne auf die Einzelheiten einzugehen.

PATH

In Linux existiert die Systemvariable PATH. In ihr stehen all die Verzeichnisse, in denen nach einer ausführbaren Datei, also nach einem Programm gesucht wird, wenn nur der Programmname ohne Verzeichnispfad angegeben wird.

Die fertig kompilierten Programmdateien von astrometry.net wurden an einen Ort installiert, der nicht in dieser Systemvariable steht (/usr/local/astrometry/bin). Mit dem folgenden Befehl fügen wir den Pfad zu diesem Ort dauerhaft zur Systemvariablen PATH hinzu.

echo "export PATH="$PATH:/usr/local/astrometry/bin"" | sudo tee -a /etc/profile.local

Neustart

In Linux gibt es noch viele andere Systemvariablen, die für die Verwaltung des Betriebssystems wichtig sind. Systemvariable werden beim Starten des Systems ausgewertet und stehen dann für weitere Vergnügungen zur Verfügung. Deshalb fahren wir den Computer nun herunter und starten ihn neu, damit das System den geänderten Inhalt von PATH erkennt

Hinweis:

Dieser Artikel ist als Gedankenstütze für mich gedacht. Er ist für das Betriebssystem openSUSE Tumbleweed geschrieben.
Die Verwendung von Code aus diesem Artikel sollte in einer virtuellen Maschine geschehen und erfolgt ausschließlich auf eigene Gefahr.

Sollte beim Kopieren dieses Codes in ein Terminal die Frage kommen, was mit den „Nicht-druckbaren Zeichen“ geschehen soll, bitte die Option „Nicht druckbare Zeichen entfernen“ auswählen.

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