Software für die Sternwarte Teil 9: Index-files für astrometry.net

Bitte beachten

Ich habe im letzten Artikel dieser Serie bereits darauf hingewiesen, daß es bestimmt keine schlechte Idee ist, zum Testen dieses Projekts eine virtuelle Maschine zu Maschine zu verwenden. Warum das so ist, hab ich in diesem Artikel genauer beschrieben.

Astrometric calibration

Könnt ihr auch vorstellen, daß wir ein Foto vom Sternenhimmel geschossen haben und am nächsten Tag nicht mehr wissen, was wir da eigentlich aufgenommen haben? Wenn ich mir die manchmal unterirdisch erscheinende Dokumentation meiner Astrobilder anschaue, so ist für mich solch ein Szenario durchaus im Bereich der Möglichkeiten 🙂

Da wäre es doch schön, wenn wir eine Anwendung hätten, die uns erzählt, was wir da eigentlich aufgenommen haben. Glücklicherweise gibt es so etwas  und wir haben das sogar schon auf unserer Festplatte.

Genau, das ist astrometry.net

Das, was astrometric.net tut, also das Auflösen unseres „Suchbildes“, nennt sich „astrometric calibration“.

Dabei ist es Wurscht, welchen Bildwinkel unsere Aufnahme hat. Es ist auch egal, welche Bilddrehung vorhanden ist oder in welchem Eck des Sternenhimmels die Aufnahme entstanden ist. Astrometry.net identifiziert, was auf unserem Bild drauf ist, sofern es denn zu identifzieren ist.

Da zur Identifizierung des Bildinhaltes keine weiteren Daten nötig sind, als der Bildinhalt selber, wird hier von „blind astrometric calibration“ gesprochen.

Der astrometrische Kalibrierdienst astrometric.net

Nun gibt es im Prinzip drei Möglichkeiten, astrometry.net für die Lösung unseres Problems einzusetzen.

  • Hochladen des Fotos auf nova.astrometry.net.
    Nach einer gewissen Zeit bekommen wir das Ergebnis geliefert, also unser Bild, versehen mit Sternbildlinien und Sternennamen.
  • Flickr-Gruppe
    Das Bild wir automatisch gelöst, wenn es in Flickr in der Gruppe von astrometric.net ist.
  • Lokal auf dem eigenen Rechner
    Dazu müssen wir aber Vergleichsdateien auf dem Rechner haben, an Hand derer unser Bild identifiziert werden kann, die sogenannten Index-Files.

Index-Files

Die ersten beiden Möglichkeiten setzen eine funktionierende und nicht zu langsame Internetverbindung voraus, was sich des Nachts mitten auf dem Acker als schwierig erweisen könnte.

Speichern wir diese Index-Files also auf unserem Astro-Rechner. Eine Quelle dafür ist die folgende Seite:

http://data.astrometry.net/4200/

Wie wir sehen, haben die Index-Files die Dateiendung .fits. Und es gibt eine ganze Menge von ihnen. Ich hab mir mal die Freude gemacht, das Ganze mit den dazugehörigen Bildwinkeln aufzulisten:

index-4200...  48 files   2,0 - 2,8 arcmin
index-4201...  48 files   2,8 - 4,0 arcmin
index-4202...  48 files   4,0 - 5,6 arcmin
index-4203...  48 files   5,6 - 8,0 arcmin
index-4204...  48 files   8.0 -  11 arcmin
index-4205...  12 files   11  -  16 arcmin
index-4206...  12 files   16  -  22 arcmin
index-4207...  12 files   22  -  30 arcmin
index-4208...  1  file    30  -  42 arcmin
index-4209...  1  file    42  -  60 arcmin
index-4210...  1  file    60  -  85 arcmin
index-4211...  1  file    85  - 120 arcmin
index-4212...  1  file    120 - 170 arcmin
index-4213...  1  file    170 - 240 arcmin
index-4214...  1  file    230 - 340 arcmin
index-4215...  1  file    340 - 480 arcmin
index-4216...  1  file    480 - 680 arcmin
index-4217...  1  file    680 - 1000 arcmin
index-4218...  1  file   1000 - 1400 arcmin
index-4219...  1  file   1400 - 2000 arcmin

Download der Index-Files

Ein Haufen Holz, oder ? Wenn wir die alle von Hand herunterladen wollen, sind wir länger beschäftigt.

Natürlich, wir könnten ein bash-script schreiben, mit dem die ganze Sache automatisiert wird. Oder wir könnten uns auf der Seite mit den Index-files etwas genauer umschauen.

Am Ende der Seite finden wir eine Datei mit dem Namen „wget.sh“. Diese Datei ist genau so ein bash-script, wie wir es uns gerade gewünscht haben..

Also, los geht es. Zuerst erstellen wir ein Verzeichnis, in dem wir die Index-files zwischenspeichern wollen:

mkdir ~/Vorlagen/index

Nun laden wir die Scriptdatei herunter, und zwar nach „~/index“. Dazu wechseln wir in dieses Verzeichnis:

cd ~/Vorlagen/index

und starten den download des scripts;

wget data.astrometry.net/4200/wget.sh

Danach starten das Download-Script:

sh wget.sh

Nun kann es etwas länger dauern, bis die Index-Files den Weg in unser Verzeichnis gefunden haben. Wie vorhin schon gesagt: Ist eine Menge Holz, 192 Dateien mit knapp 10 GB.

Ein paar Gläser Wein später ist der Download abgeschlossen. Nun kopieren wir die Index-files an ihren endgültigen Platz, wozu wir wieder einmal Administratorrechte benötigen. Also:

sudo cp ~/Vorlagen/index/*.fits /usr/local/astrometry/data

Kurze Erklärung des Befehls:

Vielleich ist es eine gute Idee, die Index-files irgendwo zu sichern. Man spart sich das zeitaufwändige Herunterladen, wenn man sie mal wo anders brauchen sollte.

Zusätzliche Index-Files

Wenn wir die heruntergeladenen Index-files genauer anschauen, so werden wir feststellen, daß die Dateien mit den Namen 4200… und 4201… fehlen. Das wären nochmal insgesamt 96 Dateien.

Im Download-Script steht, daß man diese Dateien unter normalen Umständen nie brauchen wird und hat sie ausgeklammert. Ich halte es hier mit dem Script und verzichte auf´s Herunterladen.

Was genau sind diese Index-Files nun eigentlich?

Wer nun der Ansicht ist, die Indes-Filex sind Referenzbilder vom Sternenhimmel, der sieht sich getäuscht.

In der Astrofotografie werden gerne Bilder im fits-Format verwendet. Diese sind daran erkennbar, daß sie die Dateiendung .fits besitzen.

Auch die Index-Files besitzen diese Dateiendung. Nur handelt es sich hier um Dateien mit astrometrischen Daten.

Was genau es nun mit diesen Index-Files auf sich hat und wie astrometry.net damit unser „Suchbil0d“ lösen kann, das erfahrt ihr

demnächst, in diesem Theater… 🙂

Hinweis:

Dieser Artikel ist als Gedankenstütze für mich gedacht. Er ist für das Betriebssystem openSUSE Tumbleweed geschrieben.
Die Verwendung von Code aus diesem Artikel sollte in einer virtuellen Maschine geschehen und erfolgt ausschließlich auf eigene Gefahr.

Sollte beim Kopieren dieses Codes in ein Terminal die Frage kommen, was mit den „Nicht-druckbaren Zeichen“ geschehen soll, bitte die Option „Nicht druckbare Zeichen entfernen“ auswählen.

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