Software für die Sternwarte Teil 16: kstars und die Sternbildlinien aus meinen kleinen Sternenkarten

Einleitung

In diesem Teil der Blogserie möchte ein wenig von Sternbildlinien erzählen und wie diese in kstars verwaltet werden.

In der ersten Fassung dieses Artikels entwickelte ich eine Lösung, meine Sternbildlinien in kstars zu integrieren, die ich als quick and dirty bezeichnet habe. War nicht schön, diese Lösung, hat aber funktioniert.

Die Übergangslösung darf ich nun in den Mülleimer werfen, da die Sternbilder, so wie ich sie in meinen kleinen Sternenkarten male, ab sofort offizieller Teil von kstars sind.

Wie aktiviere ich die Sternbildlinien aus meinen kleinen Sternenkarten in kstars?

Ganz einfach:

  • Starte kstars
  • Einstellungen – kstars einrichten… – Nachführungen:
  • Enable Sternbildlinien (mit einem Haken)
  • Wähle bei Kulturkreis für Sternbildnamen folgendes aus:
    Western (sternenkarten.com)
  • Das wars.

Übrigens, die Bezeichnung „Nachführungen“ bei in den Einstellungen von kstars ist nicht ganz zielführend. Die englische Bezeichnung des Menupunktes würde hier besser passen: „Guides“

Ein paar Interna zu Sternbildlinien in kstars

Die Datei-Manipulationen, die ich getrieben habe, um meine lokale Kopie von kstars mit meinen Sternbildlinien zu versehen, habe ich aus diesem Artikel hier gestrichen.

Wie das mit den Sternbildern in kstars funktioniert, lasse ich aber im Artikel. Vielleicht möchte der ein oder andere auch selber Sternbildlinien malen. Dann muß er sich nicht komplett neu selbst erfinden, sondern kann in den nächsten Abschnitten des Artikels ein wenig nachlesen 🙂

Wo werden die Sternbildlinien in kstars verwaltet?

Im Quellcode von kstars gibt es zwei Dateien, die mit den Sternbildlinien und den Sternbildnamen zu tun haben:

  1. clines.dat
    clines steht für constellation-lines, also für Sternbildlinien. In dieser Datei sind die Sterne markiert, zwischen denen die Sternbildlinien gemalt werden.
  2. cnames.dat
    cnames steht für constellation-names, also für Sternbildnamen. Ihr werdet es nicht glauben, aber diese Datei enthält doch tatsächlich die Namen der Sternbilder.

Wir haben beim Kompilieren mit cmake festgelegt, daß kstars nach /usr installiert wird (bzw. in entsprechende Unterverzeichnisse dort). Bei dieser Installation wandern clines.dat und cnames.dat damit in das Verzeichnis /usr/share/kstars.

Was mach ich nun mit diesen Dateien?

Die eigenen Sternbildlinien und Namen einarbeiten.

Geht´s etwas genauer, bitte?

Klar doch. Doch dazu möchte ich etwas ausholen.

Was ist eigentlich drin in der clines.dat?

Ich möchte euch einen kleinen Auszug aus der clines.dat zeigen:

Constellation Lines data file for KStars.
Copyright 2004 by Jason Harris and Clemens (?)
This file is licensed under the terms of the
GNU General Public License (GPL), Version 2:
http://www.gnu.org/licenses/gpl.html
#
#
C Western
Andromeda
M 358
D 3627
D 6860
D 12533
M 358
D 3369
D 5448
D 9927
#
Antlia
M 94890
D 90610
D 84367
D 82150
#

Am Anfang stehen die Lizenzbedingungen. Die GPL2-Lizenz bedeutet, daß man mit dieser Datei machen kann, was man will, solange man nur die Lizenz erhält und des Quellcode offen läßt.

Nach einem „C“ steht der Name des Kulturkreises, in dem wir uns mit unseren Sternbildern bewegen. Das „Western“ steht für Westlich, also für unseren Kulturkreis.

Es folgt der englische Name des ersten Sternbildes dieses Kulturkreises, nämlich Andromeda.

Die Ziffern sind HD-Sternnummern aus dem Henry-Draper-Katalog.

Die vorgestellten Buchstaben geben an, wie aus diesen Sternen ein Sternbild entsteht. Ich assoziiere die Buchstaben für mich so:

  • M: Malbeginn
  • D: Durchgangsstation

Dabei ist das letzte D gleichzeitig das Ende einen Malabschnitts. Folgt ein neues M, war das Sternbild noch nicht fertig und es wird ein weiterer Abschnitt gemalt.

Danach geht es weiter mit dem nächsten Sternbild, hier Antlia und zwar solange, bis alle Sternbilder der Sternkultur fertig gemalt sind.

Danach ist die Datei entweder am Ende oder es folgt ein „C“ mit dem Namen der nächsten Sternkultur, deren Sternbilder gemalt werden sollen, zum Beispiel „Inuit“.

Können wir ein Malbeispiel bekommen?

Selbstverständlich. Nur nehme ich dazu ein Beispiel aus einer anderen Sternkultur, der ich den Namen „Western (sternenkarten.com)“ gegeben habe.

Ihr werdet auch vielleicht denken können, daß dieser Kulturkreis die Sternbilder, so wie ich sie in meinen kleinen Sternenkarten gemalt habe, repräsentiert.

C Western (sternenkarten.com)
Andromeda
M 9927
D 5448
D 3369
D 358
D 3627
D 6860
D 12533
M 5448
D 6860
M 3369
D 3627
D 4502
M 3369
D 1404
D 1280
D 1671
D 1404

Und hier das dazugehörige Bild aus meinen kleinen Sternenkarten. Die Sterne, zwischen denen ich die Sternbildlinien gemalt habe, hab ich mit ihren HD-Nummern gekennzeichnet.

Ihr könnt nun problemlos nachverfolgen, wie aus den Daten in der clines.dat für den Kulturkreis „Western (sternenkarten.com)“ das Sternbild Andromeda entsteht.

Übrigens, falls es den ein oder anderen interessiert. In meinen kleinen Sternenkarten erzähle ich die Geschichte der königlichen Familie, zu der auch Andromeda gehört.

Und wie ist die cnames.dat aufgebaut?

Schaut einfach mal selber in der Datei nach. Da stehen die Sternbildnamen und die Sternbildkürzel drin und einige mir kryptisch erscheinenden Zahlenfolgen, deren Sinn sich mir noch nicht erschließt.

Ist aber egal. Die Sternbildnamen in meinen kleinen Sternenkarten sind identisch mit den Sternbildnamen der „Western“ genannten Sternbildkultur. Da brauch ich also nur diesen „Western-Teil“ in die von mir geschaffene Sternbildkultur „Western (sternenkarten.com)“ übernehmen.

Und wie werden die geänderten Dateien in kstars erkannt?

Nachdem ich die clines.dat für die Sternbildlinien und die cnames.dat für die Sternbildnamen nach meinen Vorstellungen geändert habe, speichere ich die beiden Dateien ab.
Anschließend kompiliere ich kstars neu und gut isses.

Auf ein letztes Wort

Ich weise noch einmal ausdrücklich auf folgendes hin:

Wenn ihr mit Quellcodes von Programmen spielt und diesen ändert, dann tut dies bitte in einer virtuellen Maschine. Es könnte sein, daß ihr euch dadurch viel Ärger erspart, wenn´s doch mal nicht so funktioniert, wie es eigentlich sollte.

Im Extremfall kann man nämlich sein System dadurch komplett zerstören.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.