Astro-Software 2: Die Software

Welche Software?

Ich erzähle in diesem Beitrag über die Software, die ich kompilieren will. Das sind, kurz zusammengefasst, folgende Anwendungen bzw. Treiber:

  • kstars (Verwaltet alles)
  • indi (Die Treiber)
  • stellarsolver (platesolving)

Für das alles existieren inzwischen Paketquellen, sowohl für das gerade aktuelle openSUSE Leap, als auch für die Rolling-Version Tumbleweed.

Das Server-Client-Prinzip

Was meine ich damit, Server-Client-Prinzip?

Grob vereinfacht:

Server

Da gibt es einen Server, der sich über die indi-Treiber mit Teleskop, Kamera, Filterrad, usw. unterhält. Er ist sozusagen das Verbindungsglied zur Aussenwelt. Dieser Server muß sich zwingend auf dem Rechner befinden, an dem das ganze Equipement eingestöpselt wird.

In unserem Fall nennt er sich „indiserver

Client

Der Client ist ein Programm, vorzugsweise eingebettet in eine schöne graphische Oberfläche, das die gesamte Beobachtungs-Session steuert. Dazu greift es über den indiserver auf die Treiber zu, sendet Befehle und erhält Rückmeldungen.

Dem Client ist es egal, wo er sich befindet. Er kann auf dem Rechner installiert sein, auf dem sich auch die indi-Treiber befinden.
Oder er kann auf einem Rechner sein, der sich auf der anderen Seite des Erdballs befindet. Dann wird die Verbindung zwischen Server und Client eben über das Internet hergestellt.

Ich verwende als Client kstars, das über seine integrierte Aufnahme-Suite EKOS in der Tat alles steuern kann, angefangen von der Steuerung des Teleskops, über das Platesolving bis hin zur Aufnahme.

Das einzige, was mir an kstars nicht gefällt, ist der nicht sehr schön dargestellte Sternenhimmel. Darum verwende ich zur Vorplanung das Planetariumsprogramm Stellarium.

Stellarium kann übrigens auch als Client dienen und auf die indi-Treiber zugreifen. Eine Aufnahmesteuerung ist aber auf einfachem Weg nicht möglich. Dafür wurde Stellarium nämlich nicht gebaut. Für das Anzeigen des Sternenhimmels ist Stellarium aber das beste, was es derzeit gibt.

Platesolving

Platesolving, was ist das überhaupt?

Spielen wir mal so eine Aufnahme durch:

Wir wollen ein schönes Objekt fotografieren. Zur Auswahl hab ich Stellarium gestartet. Ja, der Andromedanebel M31 steht gerade (16.12.2022 19:00Uhr) ungefähr 80 Grad über dem Horizont, fast im Zenit also. Verheißungsvoll.

Also:

  • kstars starten
  • Das integrierte EKOS starten
  • Alles Notwendige auswählen bzw. einstellen ( Welches Teleskop, welche Kamera, Belichtungszeit, gain, Anzahl der Aufnahmen und so weiter)
  • Am Sternenhimmel von kstars M31 suchen und markieren
  • Rechtsklick – gehe zu (Befehl kann bei unterschiedlichen Montierungen auch unterschiedlich sein)

Die Montierung beginnt ihre Bewegung und stoppt erst, wenn das Teleskop auf den Andromedanebel zeigt.

Das wäre der Idealfall. Ich kann euch aber versprechen, daß dieser Idealfall eher selten eintritt. Meist zeigt das Teleskop einen Ticken neben das ausgewählt Objekt. Man müßte schon eine sehr gute Montierung haben und die Einnordung müßte auf den Punkt stimmen.

Tja, Objekt ausgewählt und dezent daneben gezielt. Hier kommt nun das Platesolving ins Spiel.

  • In EKOs den Platesolving-Tab auswählen
  • Auf „Aufnahmen und Lösen“ drücken
  • Nun wird ein Bild des Himmelsausschnitts aufgenommen, auf den das Teleskop gerade zeigt.
  • Die Aufnahme wird analysiert.
  • Durch Vergleich der Daten mit einer Referenzliste wird herausgefunden, wohin das Teleskop gerade zeigt
  • Es wird ein Korrekturwert berechnet und an die Montierung übermittelt
  • Die Montierung startet und richtet das Teleskop an Hand des Korrekturwertes neu aus.
  • Ein neues Bild wird aufgenommen und analysiert.

Diese Schleife „Aufnahme, Analyse, Korrekturwert, Teleskopausrichtung korrigieren“ wird so oft wiederholt, bis der Andromedanebel exakt im der Bildmitte steht.

Das ist Platesolving.

Programme für das Platesolving

Da sind zwei Programme interessant:

astrometry.net

Das Referenzprogramm für das Platesolving. Kann sehr viel, ist aber etwas langsam. So kann es schon einmal ein paar Minuten dauern, bis ein Bild analysiert und gelöst ist. Bis vor gar nicht so langer Zeit war astrometry.net Standard in kstars fürs Platesolving. Inzwischen wurde es vom Stellarsolver abgelöst. (astrometry.net kompilieren)

Stellarsolver

Stellarsolver basiert auf astrometry.net, funktioniert intern aber ein wenig anders. Es ist sehr schnell und wurde deswegen auch sehr schnell zum Standard in kstars 🙂

Die Referenzdateien

Die Referenzdateien liegen als fits-Dateien vor. Sie sind notwendig, egal ob man mit astrometry.net oder mit dem Stellarsolver arbeitet. Wie man an diese Dateien kommt und wie man sie verwendet, das erzähle ich in einem späteren Beitrag dieser Software-Reihe.

Mehr über das Platesolving gefällig?

Ich hab ein paar Artikel geschrieben mit vielen schönen Bildchen drin. Da steige ich tiefe in die Materie ein. Und wenn ich sage, tiefer, dann meine ich auch tiefer

Welche Software ist sonst noch interessant?

Da gibt es einige Programme, die bei mir im Zusammenhang mit derm Sternengucken verwendet werde, die ich aber selber nicht kompiliere.

  • Stellarium
    Planetariumprogramm
    Zeigt den Sternenhimmel besser als alle anderen Programme, die ich kenne
    Wird von mir zur Aufnahmeplanung verwendet
    Ist im Standard-Repo von openSUSE vorhanden
  • firecapture
    State of the art für Planetenvideos
    http://www.firecapture.de/ (Beta-Version verwenden)
  • ser-player
    Wiedergabe von ser-Videos (Planeten)
    Ist etwas frickelig zum Kompilieren, da erst ein Patch hinzugefügt werden muß
    Darum über diese Paketquelle installieren
    https://download.opensuse.org/repositories/Application:/Astrophotography/openSUSE_Tumbleweed/
  • autostakkert
    Stapeln von Planetenvideos
    Windows-Programm, läuft aber über wine
    https://www.autostakkert.com
  • fitswork
    Stapeln und Bearbeiten von fits-Bildern
    Schon etwas älter
    Windows-Programm, läuft aber über wine
    https://www.fitswork.de
  • Pixinsight
    Stapeln und Bearbeiten von deepsky-Aufnahmen
    Kaufprogrammm, lohnt sich aber
    Nativ für Linux
    https://pixinsight.com/
  • darktable
    Bildbearbeitung vom Allerfeinsten
    Für die die Bilder von DSLR-Kameras
    Verwende ich zur Nachbearbeitung nach Pixinsight
    Ist in den openSUSE-Paketquellen vorhanden
  • GIMP
    Umfangreiche Bildbearbeitung
    Verwende ich zur Dekoration der Bilder (Beschriftung etc)
    Damit hab ich meine Sternbildlinien gemalt.
    Ist in den openSUSE-Paketquellen vorhanden
  • winjupos
    Derotation von Jupiter-Bildern
    Windows-Programm, läuft aber über wine
    http://www.grischa-hahn.homepage.t-online.de/winjupos_download.htm

Geschrieben für und getestet mit Linux openSUSE Tumbleweed.
Die Verwendung von Code, der in dieser Astro-Software-Reihe gezeigt wird, erfolgt ausschließlich auf eigene Gefahr.

Die Artikel bauen aufeinander auf und müssen der Reihe nach abgearbeitet werden, sonst klappt es nicht mit dem kompilieren.

https://sternenkarten.com/
Menüpunkt: Astro-Software

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