Medusenhaupt

Meine Kakteensammlung hat Zuwachs bekommen. Ich hab einige Pflanzen geschenkt bekommen, die den lustigen Namen „Astrophytum caput-medusae“ tragen.

Sie sind noch jung, die Pflanzen, vielleicht zwei Jahre alt und wurden sorgfältig aus Samen gezogen, ebenso wie ihre Eltern und Großeltern und… Wurzelecht also! Ich kann nicht genau sagen, in der wievielten Generation seit der Enteckung der Art die Kleinen einzuordnen sind. Viele Generation können es aber nicht sein. Denn die Erstbeschreibung von Astrophytum caput-medusae ist noch gar nicht einmal so lange her. Man kennt diese Art erst seit knapp 20 Jahren.

Astrophytum caput-medusae sieht mit seinen tentakelartigen Auswüchsen unscheinbar aus. Die Blüten sollen aber großartig sein, ich bin schon gespannt darauf. Im Moment befinden sich die Kleinen im Gewächshaus in Winterruhe.

Hier ein Foto der Kumpane

Das Medusenhaupt ist etwas ganz Besonderes. Seine Heimat ist der Norden Mexikos. Nur hier, im Gebiet von Nuevo Leon wachsen diese Kakteen. Sie wurden erstmals von Carlos G. Velazco Macias und Manuel Nevarez de los Reyes beschrieben, die in diesem Gebiet Forschungen anstellten. Nevarez fotografierte die Kakteen und machte sich detaillierte Aufzeichnungen. Die Fotos schickte er auf Anraten eines Biologen zur Identifikation an die biologische Fakultät der Universität in Nuevo Leon.

Die beiden Forscher verglichen die Merkmale der neu gefundenen Kakeenart mit denen vergleichbarer Arten und kamen zu dem Schluß, daß sie hier eine vollkommen neue Gattung vor sich hatten. Eine wissenschaftliche Sensation! Das wird sehr schön auf einer französischen Kakteenseite ausgedrückt durch die Überschrift: „Die Geburt einer Legende“.

Sie nannten die neue Gattung wegen ihres Aussehens „Digitostigma“ und die Kakteenart „Digitostigma caput-medusae“ und veröffentlichten ihre Enteckung 2002 im Journal „Cactaceas y suculentas mexicanas“.

Velazco und Nevarez besuchten die Gegend mehrere Male, um herauszufinden, wieviele dieser Kakteen es überhaupt gab. Sie fanden drei voneinander isolierte Populationen mit insgesamt 127 Pflanzen. Nicht viel, 127 Pflanzen weltweit, denn diese Kakteen wuchsen nur hier im Norden von Mexiko und sonst nirgends auf der Welt. Die Kakteenart befindet inzwischen auf der roten Liste der vom Aussterben bedrohten Pflanzen. Sie ist als „Critically Endangered“ eingestuft.

Mit der Bekanntgabe des Fundortes der Kakteen würde der Run losgehen, der Run nach solch einer Pflanze. Einige „Pflanzenfreunde“ würden nicht davor zurückschrecken, die Kakteen an ihrem natürlichen Standort auszugraben. Jeder kann sich ausrechnen, daß es nach sehr kurzer Zeit keinen einzigen Kaktus dieser Art mehr in der freien Natur geben würde. Deshalb hielten die beiden Forscher den genauen Fundort geheim.

Das mit der neuen Gattung hatte sich übrigens ein Jahr später in Luft aufgelöst. Denn der Biologe D. Hunt klassifizierte das Medusenhaupt um und stellte es in die Gattung Astrophytum. Somit war aus „Digitostigma caput-medusae“ „Astrophytum caput-medusae“ geworden.

Doch zurück zum Run auf die Kakteen.

Um das Austerben der Art zu verhindern, wurde ein mexikanisches Institut damit beauftragt, möglichst schnell viele Samen bzw. Nutzpflanzen für den Export zu kultivieren. Das war jedoch nicht ganz so einfach und so stiegen die Preise für diese Raritäten an. Im jahr 2004 wurden gerade einmal 200 Samenkörner verkauft für den Preis von 21 US Dollar das Stück! Und 1 Jahr später zahlte man für eine einzige kleine Pflanze mehr als 400€. Kurz darauf griff das Vermehrungsprogramm des Instituts und die Preise sanken.

Ist schon interessant, wieviel Geschichte hinter so einem kleinen grünen Kaktus steckt, oder?

3 Gedanken zu „Medusenhaupt

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